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Dem Körperkult und Fitnesswahn entgegensteuern

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Von alten Fitnessmustern trennen und Neues wagen: Warum Sport mehr ist als Selbstoptimierung

Dem Körperkult und Fitnesswahn entgegensteuern

In den USA fingen in den frühen 70er-Jahren massenhaft Menschen an zu laufen. Erstmals lag der Fokus intensiv auf dem Körper – es hieß also nach der Erwerbsarbeit noch am eigenen Körper arbeiten. Der Fitnesstrend war geboren. Es dauerte nicht lange, bis dieser dann auch nach Deutschland überschwappte – die erste Welle des Fitnesswahns traf ein. Heutzutage hat diese ihren Höhepunkt erreicht: als Selbstoptimierung und Körperkult. Inszeniert durch die Medien steht die Ästhetik, so wirkt es fast, beim Sport für viele Menschen im Mittelpunkt. Dabei kann Sport so viel mehr bieten: für mentale und körperliche Gesundheit sorgen, einen aktiven Ausgleich schaffen. Wir gehen dem Körperkult auf den Grund und finden heraus, wie wir uns von alten Fitnessmustern trennen und wieder realistische Ziele setzen.

Wie sich Körperkult und Fitnesswahn auswirken

Das heutige Idealbild hat sich weg vom sehr schlanken, zierlichen Körper und hin zu deutlich definierten Muskelpartien verschoben. Gestemmte Beine, gestählte Bäuche, knackige Hintern. In den sozialen Netzwerken können wir täglich beobachten, wie sich Fitnessblogger, Influencer oder die eigenen Freunde mit Fitnesstraining stählen und stolz ihre antrainierten Muskeln per Spiegelselfie zeigen. Selbstoptimierung ist zu einem Trend geworden, ist Teil des Körperkults. Dieser Trend kann motivieren – Influencer und andere sportliche Menschen können Vorbilder für das eigene Training sein – er kann aber auch frustrieren. Denn hinter all den vermeintlich perfekten Körpern steckt sehr viel Arbeit – für viele Influencer ist Fitness keine Nebenbeschäftigung, sondern ein seriöser Beruf. Der große Aufwand, sowohl zeitlich als auch körperlich, ist also längst nicht für jeden möglich. Die Folge kann sein, dass du mit falschen Erwartungen an deinen eigenen Körper und dein Training herangehst und dir unrealistische Ziele setzt, die demotivierend auf dich wirken. Der „Körperkult“ in Social Media ist also mit Vorsicht zu genießen. Wenn du einem Ideal entsprechen willst, stell dir also folgende Frage:

Geht bei dem Fitnesswahn nicht etwas sehr Bedeutendes unter?

Statt den Sport als Mittel zum Zweck zu sehen, um die körperliche Ästhetik zu erreichen, kann Sport vor allem Freude bedeuten: aktiv sein, die körperliche und mentale Gesundheit unterstützen, Spaß haben, auspowern, abschalten. Und das in den verschiedensten Formen:

  • Erdendes Yoga für die innere Balance.
  • Beim Laufen den Puls hoch bringen, die Ausdauer trainieren.
  • Kondition und Kraft stärken: mit einer Kombination aus Ballett und Fitness – Barre Workout.

Eine Gesellschaft mit starkem Optimierungsbedarf

Immer die beste Leistung zu erbringen ist in unserer Gesellschaft die Norm, ob privat oder beruflich – wir sind getrieben von Deadlines und Terminen. Der Alltag ist davon bestimmt, die eigene Zeit möglichst produktiv zu nutzen, die besten Ergebnisse zu erzielen. Im Sport zeigt sich das durch ständige Optimierungen am Körper. Das kann auf Dauer frustrieren: Das Training zeigt nicht die gewünschten Ergebnisse, die Ernährung lässt zu wünschen übrig, der Körper ernspricht nicht dem Idealbild. Eine Abwärtsspirale, die unglücklich macht. Denn der Fitnesswahn ist das Gegenteil von Achtsamkeit mit dir selbst.

Professor Jürgen Martschukat hat zu dem Thema geforscht und Deutschlandfunk Kultur hat ihn zitiert: „Der Fitnesswahn steht nicht für Freude an Bewegung, sondern vor allem für den Willen zur Selbstoptimierung. Es geht um die Praxis des an sich selbst Arbeitens und um sichtbare Ergebnisse.“

Aus unserer Sicht ist Sport viel mehr als das: Statt den Hauptfokus auf Selbstoptimierung zu legen, sollte Sport bei dir Faszination auslösen. Es ist viel wichtiger, die Trainingsform zu finden, die dir Spaß macht, damit der Trainingserfolg von ganz allein als Nebeneffekt eintritt.

Mit einem frischen Blick auf die persönlichen Ziele schauen

Wir lassen uns schnell dazu verleiten, hochgesteckten Zielen nachzueifern, um einem Ideal zu entsprechen. Mit der Folge, dass unsere Ziele unrealistisch werden. Wir können diese nicht erreichen und sie versperren uns somit den Weg oder verderben sogar den Spaß am Sport. Jetzt kann es hilfreich sein, mit einem frischen Blick auf die eigenen Ziele zu schauen und diese zu überdenken. Es kommt darauf an, was du persönlich erreichen möchtest, was dir Freude bereitet.

Frage dich also ganz bewusst und beantworte ehrlich:
  • 1. Möchte ich mit dem jetzigen Training nur einem Schönheitsideal gerecht werden?
  • 2. Habe ich wirklich Spaß an dem Sport, den ich treibe?
  • 3. Gibt es eine Sportart, die ich schon immer mal ausprobieren wollte?

Frage dich also ganz bewusst und beantworte ehrlich

Finde deine individuellen Gründe für das Training:

Gehe achtsam mit dir und deinen Vorstellungen um, reflektiere und setze Ziele, die für dich persönlich realistisch sind. Höre dabei auf deinen Körper, deine Bedürfnisse. Hinterfrage auch bewusst, was der Sport für dich bedeuten soll, welchen Platz er in deinem Leben einnimmt:

Es gibt viele verschiedene Gründe für Sport. Er ...
  • ist dein Ausgleich vom stressigen Alltag.
  • fördert deine Gesundheit.
  • ist Grundlage für ein aktives Leben.
  • trainiert deine Beweglichkeit.
  • ist ein fester Termin mit Freunden.
  • sorgt für ein allgemeines Wohlbefinden.
  • stärkt deine Kondition.
  • fordert deinen Körper heraus, testet die Grenzen.
  • kräftigt das Körpergefühl, steht für Achtsamkeit.
Was ist dein Antrieb für Sport?

Der richtige Umgang mit Social Media

Social Media – vor allem Apps wie Instagram, Facebook oder Pinterest sind Plattformen, die unheimlich viele und diverse Inhalte bieten. Sie sind Motivationsquelle und Austauschmöglichkeit. Zu wirklich jedem Thema kannst du hier Gleichgesinnte finden und dich von ihrem Lebensstil inspirieren lassen. Doch genau da verbirgt sich häufig auch die Gefahr. Nach der Inspiration folgt ständiges Vergleichen. Die eigene Figur, die eigenen (Sport-)Erfolge, das eigene Leben wird hinterfragt. Das kann frustrieren und den Blick auf dich selbst negativ verändern. Häufiges Vergleichen raubt wertvolle Zeit und Energie. Es gibt ein paar Tricks, wie du mit deinen Social-Media-Kanälen wieder gesund umgehst:

  • In den Morgen starten ohne Smartphone – bedeutet: Nach dem Aufstehen solltest du deinen Fokus nicht zuerst den sozialen Medien widmen. Jetzt ist die Zeit, um achtsam in den Tag zu starten. Genieße deinen Kaffee im Bett, lies ein paar Seiten in deinem Buch oder starte mit einer kurzen Meditation.
  • Mache am Tag bewusst digitale Pausen – ein Spaziergang in der Mittagspause, eine Runde mit dem Rad nach Feierabend. Wann hast du das letzte Mal dein Handy zu Hause gelassen? Es tut gut, ein halbes Stündchen nicht erreichbar zu sein, keine Chance zu haben, die sozialen Medien zu checken, denn das hast du sowieso vor fünf Minuten getan. So gewinnst du auf natürliche Weise Abstand zum Smartphone und den Inhalten darin.
  • Konsumiere, hinterfrage, stelle fest – Wir alle wissen: Es gibt Tausende Filter, Photoshop und Apps mit denen wir unsere Bilder und Videos bearbeiten können. Und doch vergessen wir das immer wieder, wenn wir in den sozialen Netzwerken unterwegs sind. Öffnest du das nächste Mal Instagram, dann hinterfrage einmal bewusst bei jedem Bild: Was hat der User hier alles bearbeitet? Denn die perfekt inszenierten Welten entsprechen nicht der Realität. Mache dir das immer wieder bewusst. Und übrigens: Eine gute Pose und ein vorteilhafter Winkel können schon allein das gesamte Erscheinungsbild verändern, hab auch das immer im Hinterkopf.

Wir sind alle unterschiedlich – warum sollten wir gleich aussehen?

Körper, Fähigkeiten und Vorlieben sind bei jedem anders. Warum sollten wir also erwarten, alle identisch auszusehen und den gleichen Sport zu treiben? Nicht bei jedem erzielt die Beinpresse die gewünschten stählernen Beine oder der Stepper einen knackigen Po – denn unsere Körper reagieren verschieden auf Trainingsreize. Und genau das machen wir uns viel zu selten bewusst. Daher ist besonders wichtig: Hab Geduld. Mit dir und deinen sportlichen Leistungen. Wir alle haben ein unterschiedliches Tempo, unterschiedliche Veranlagungen. Versuche dich so zu akzeptieren, wie du bist – das ist die Grundvoraussetzung, um kontinuierlich mit Freude und ohne Druck Sport zu treiben.

Unser Tipp für Sport mit GGG – Glücks-Gefühl-Garantie: Rennradfahren

Rennradfahren ist zwar eigentlich ein sehr ehrgeiziger Sport – doch die hohe Geschwindigkeit und die wunderschöne Umgebung geben dir ein natürliches High, das dich fast wie von selbst auf Höchstleistung fahren lässt. Du trainierst quasi nebenbei und steigerst dich unheimlich schnell. Ein Sport mit Glücksgefühlgarantie, bei dem du fast von alleine sportliche Erfolge erzielst.

Die Puzzleteile zusammenfügen – deinen Sport finden:

Du hast deine Intentionen für das Training hinterfragt und ehrlich beantwortet? Du hast deine persönlichen Gründe für Sport definiert? Du möchtest Instagram & Co. zwar als Inspirations-, aber nicht als Vergleichsplattform sehen? Super! Vielleicht hilft es dir, im Prozess deiner Sportfindung Notizen zu machen oder mit engen Vertrauten zu sprechen, die dich gut kennen. Denn manchmal kommt es vor, dass wir uns selbst zu wenig zutrauen, Angst vor dem Scheitern haben. Freunde können dir jetzt Mut machen und dich unterstützen. Trau dich, wage Neues, teste neue Sportarten – oder verändere deinen Blick auf und Anspruch an deine jetzige Sportroutine. Es wird sich lohnen!

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